Ausländische Kapitalerträge

Besteuerungsregeln bei unbeschränkt Steuerpflichtigen

Kapitalanleger, die in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig sind, müssen ihre ausländischen Kapitalerträge grundsätzlich in Deutschland versteuern. Eine Doppelbesteuerung ausländischer Kapitalerträge wird in Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) regelmäßig dadurch vermieden, dass dem Ansässigkeitsstaat des Anlegers das Besteuerungsrecht zugewiesen wird. Die meisten DBA regeln außerdem, welche ausländischen Steuern aus dem jeweiligen Quellenstaat angerechnet werden können.

Kapitalanleger können die ausländische Quellensteuer, die auf ihre ausländischen Kapitalerträge entfallen, auf die deutsche Abgeltungsteuer anrechnen lassen (§ 32d Abs. 5 EStG). Die Anrechnung ist auf die Höhe der anfallenden Abgeltungsteuer begrenzt. Seit 2009 werden die ausländischen Steuern direkt von den für die Erhebung der Abgeltungsteuer zuständigen Stellen (z.B. von den Banken) angerechnet. Zu den Grundsätzen, die bei der Besteuerung ausländischer Kapitaleinkünfte zu beachten sind, hat das Finanzministerium Hamburg wie folgt Stellung genommen (Erlass vom 9.5.2015, Az. S 2293 – 2015/001 – 52):

Quellensteuer: Das Bundeszentralamt für Steuern veröffentlicht eine Übersicht über die nationale Quellensteuer des jeweiligen Landes. Daraus ergibt sich die nach dem DBA höchstens anrechenbare Quellensteuer und die eventuelle fiktive anrechenbare Quellensteuer. Die Daten sind abrufbar unter www.bzst.de und dort unter Steuern international/Ausländische Quellensteuer.

Steuererklärung: Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne aus ausländischen Kapitalanlagen, die im Privatvermögen angefallen sind, müssen vom Anleger zusammen mit den darauf gezahlten Steuern in der Anlage KAP eingetragen werden. Die Anlage AUS braucht in der Regel nicht mehr ausgefüllt werden. Es gelten folgende Eintragungsgrundsätze:

–    Erträge: Die ausländischen Kapitalerträge müssen in Zeile 15 Anlage KAP eingetragen werden. Hierzu gehören z.B. Erträge aus ausländischen thesaurierenden Investmentfonds (auch wenn sie im inländischen Bankdepot verwahrt werden) und Erträge bei ausländischen Kreditinstituten (z.B. Dividenden und Zinsen eines ausländischen Schuldners).

–    Quellensteuer: Die ausländische Steuer, die bereits vom Kreditinstitut angerechnet worden ist, muss in Zeile 50 Anlage KAP eingetragen werden.

Ausländische Steuer, die noch nicht angerechnet worden ist, jedoch anrechenbar ist, muss in der Anlage KAP Zeile 51 eingetragen werden.

–    Fiktive Quellensteuer: Für eine etwaige fiktive ausländische Quellensteuer hält Zeile 52 Anlage KAP entsprechende Eintragungsfelder bereit.

–    Quellensteuer nach ZIV: Quellensteuer, die nach der Zinsinformationsverordnung (ZIV) anzurechnen ist, muss gesondert in der Zeile 56 Anlage KAP eingetragen werden.

(!) Die Finanzämter rechnen die erklärten Quellensteuerbeträge nur dann an, wenn der Anleger sie mit einer Steuerbescheinigung im Original nachweist.

Anlage AUS nur in Sonderfällen: Die Anrechnungs- bzw. Abzugsvorschrift für ausländische Steuern des § 34 Abs. 1 und 2 EStG gilt nur noch für Kapitalerträge, die nach § 32d Abs. 2 EStG der tariflichen Einkommensteuer unterliegen. Dieser Sonderfall ist z.B. bei bestimmten Darlehensverhältnissen zwischen einander nahestehenden Personen, Gesellschafterfremdfinanzierungen und gestalterischen Back-top-Back-Finanzierungen gegeben. Sofern ein Ausnahmetatbestand des § 32d Abs. 2 EStG erfüllt ist, gelten für die Einkommensteuererklärung folgende Eintragungsgrundsätze:

–    Einnahmen: Die Einnahmen aus Kapitalvermögen werden in den Zeilen 20 bis 24 der Anlage KAP und den Zeilen 5 und 6 der Anlage AUS eingetragen.

–    Steuerabzugsbeträge: Die inländischen Steuerabzugsbeträge sind in den Zeilen 53 bis 55 der Anlage KAP zu erklären.

–    Quellensteuer: Im Fall der Anrechnung der Quellensteuer auf die deutsche Einkommensteuer (Anwendung des § 34c Abs. 1 EStG) muss die ausländische Quellensteuer in den Zeilen 11 bis 13 der Anlage AUS eingetragen werden. Beim Abzug der Quellensteuer als Werbungskosten (Anwendung des § 34c Abs. 2 EStG) muss die ausländische Quellensteuer in den Zeilen 9 und 10 der Anlage AUS eingetragen werden.

(!) Erhöhte Mitwirkungspflicht: Bei Auslandssachverhalten trifft den Anleger eine erhöhte Mitwirkungspflicht. Das heißt, er muss den Nachweis über die Höhe der ausländischen Kapitalerträge sowie über die Festsetzung bzw. Zahlung der ausländischen Quellensteuer durch die Vorlage entsprechender Urkunden erbringen.

Bei Dividenden und Zinsen muss der Anleger von seinem Kreditinstitut entsprechende Belege über die Einkunftshöhe und die einbehaltene Quellensteuer anfordern (Steuerbescheinigungen und Erträgnisaufstellungen). Aus diesen Unterlagen muss hervorgehen, um welche Art von Einnahmen es sich handelt, wann diese zugeflossen sind, aus welchem Land sie stammen und in welcher Höhe ausländische Quellensteuern angefallen sind.

Prüfung durch Finanzämter: Da einige ausländische Staaten bei nichtansässigen Anlegern auf die Steuererhebung auf Dividenden und Zinsen verzichten (z.B. Großbritannien und Südafrika), obwohl das DBA ihnen ein solches Recht einräumt, und andere Staaten wiederum höhere Steuern auf Kapitalerträge erheben, als laut DBA anrechnungsfähig sind, müssen die Finanzämter in jedem Einzelfall prüfen, ob und in welcher Höhe ein Anleger tatsächlich mit ausländischer Quellensteuer belastet wurde und in welcher Höhe laut DBA eine Anrechnung überhaupt erfolgen darf.

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.