Ausfall von Finanzierungshilfen des Gesellschafters für die eigene GmbH

Neuregelung in § 17 Abs. 2a EStG

Gesellschafter unterstützen ihre GmbH häufig derart, dass sie ein Darlehen gewähren oder sich gegenüber der Hausbank für ein der Gesellschaft gewährtes Darlehen verbürgen. Wird die GmbH später gleichwohl insolvent und kann deshalb die Finanzierungshilfe nicht zurückzahlen, stellt sich die Frage, ob der Gesellschafter seinen Aufwand zumindest als nachträgliche Anschaffungskosten für seine GmbH-Beteiligung steuerlich „verwerten“ kann. Denn im Fall der GmbH-Insolvenz kann der Gesellschafter sein finanzielles Engagement, die ursprüngliche Stammeinlage und die nachträglichen Anschaffungskosten, als Verlust aus Gewerbebetrieb gemäß § 17 EStG steuerlich geltend machen und in Höhe von 60 Prozent mit anderen positiven Einkünften verrechnen.

Der Gesetzgeber hat Ende 2019 den Begriff der nachträglichen Anschaffungskosten erstmals in § 17 Abs. 2a EStG geregelt. Dazu gehören insbesondere:

-      offene oder verdeckte Einlagen,

-      Darlehensverluste, soweit die Gewährung des Darlehens oder das Stehenlassen des Darlehens in der Krise der Gesellschaft gesellschaftsrechtlich veranlasst war, und

-      Ausfälle von Bürgschaftsregressforderungen und vergleichbaren Forderungen, soweit die Hingabe oder das Stehenlassen der betreffenden Sicherheit gesellschaftsrechtlich veranlasst war.

Nach § 17 Abs. 2a Satz 4 EStG liegt eine gesellschaftsrechtliche Veranlassung regelmäßig vor, wenn ein fremder Dritter das Darlehen oder Sicherungsmittel unter sonst gleichen Umständen zurückgefordert oder nicht gewährt hätte.

Mit der Regelung in § 17 Abs. 2a EStG ist der Gesetzgeber offenbar zur Rechtslage vor der Änderung der BFH-Rechtsprechung durch das Urteil vom 11.7.2017 zurückgekehrt. Ebenso wie der Ausfall von Eigenkapital können Darlehensverluste des Gesellschafters somit wieder mit einer steuerlichen Auswirkung zu 60 Prozent als nachträgliche Anschaffungskosten der Beteiligung berücksichtigt werden.

Die vorstehende Definition der gesellschaftsrechtlichen Veranlassung in § 17 Abs. 2a Satz 4 EStG dürfte dazu führen, dass nunmehr auch sogenannte stehengelassene Darlehen ebenso wie krisenbestimmte Darlehen, Finanzplandarlehen oder in der Krise hingegebene Darlehen zu nachträglichen Anschaffungskosten in Höhe des Nennwerts der Darlehensforderung führen. Denn die gesellschaftsrechtliche Veranlassung stellt auf den Eintritt der Krise bei der Kapitalgesellschaft ab, sodass zuvor hingegebene Finanzierungshilfen mit dem Eintritt der Krise gesellschaftsrechtlich veranlasst sind, weil ein fremder Dritter diese zurückgefordert bzw. nicht gewährt hätte.

Zusätzlich wurde der persönliche Anwendungsbereich ausgeweitet, weil nunmehr auch nicht geschäftsführende Gesellschafter mit einer Beteiligungsquote von 10 Prozent oder weniger (mindestens jedoch 1 Prozent) ausgefallene Finanzierungshilfen als nachträgliche Anschaffungskosten berücksichtigen können.

Die Regelung des § 17 Abs. 2a EStG ist nach § 52 Abs. 25a EStG grundsätzlich erstmals für Veräußerungen im Sinne von § 17 Abs. 1 EStG bzw. für einer Veräußerung gleichgestellte Fälle (z.B. Auflösung einer Kapitalgesellschaft) im Sinne von § 17 Abs. 4 oder 5 EStG nach dem 31.7.2019 anzuwenden. Auf Antrag des Steuerpflichtigen ist § 17 Abs. 2a Satz 1 bis 4 EStG auch für Veräußerungen im Sinne des § 17 Abs. 1, 4 und 5 EStG vor dem 31.7.2019 anzuwenden.

Damit kann die Neuregelung des § 17 Abs. 2a EStG in allen offenen Fällen Anwendung finden. Der Antrag auf rückwirkende Anwendung ist weder form- noch fristgebunden und kann daher bis zur Bestandskraft des entsprechenden Steuerbescheids gestellt werden.

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