Tantieme für 2019

Sind Abschlagszahlungen zulässig?

Hat ein GmbH-Geschäftsführer Anspruch auf eine Tantieme für das Jahr 2019, stellt sich die Frage, ob die Gesellschaft ihm schon im Januar 2020 eine Abschlagszahlung von z.B. 50 Prozent der zu erwartenden Tantieme zahlen kann.

Ein Tantiemeanspruch entsteht mit dem Ende des Geschäftsjahrs, wird aber erst mit der Feststellung des Jahresabschlusses fällig. Daraus folgt: Wird eine Tantieme an einen Gesellschafter-Geschäftsführer bereits vor dem Fälligkeitstermin teilweise ausgezahlt (z.B. in Form einer Abschlagszahlung), droht die Steuerfalle der verdeckten Gewinnausschüttung (vGA).

Beispiel:

Der Jahresabschluss der X-GmbH für das abgelaufene Geschäftsjahr (= Kalenderjahr) wird üblicherweise im Mai des Folgejahres von den Gesellschaftern festgestellt (§ 42a Abs. 2 GmbHG). Bereits im Februar 2020 zahlt die GmbH an ihren Gesellschafter-Geschäftsführer einen Abschlag auf die zu erwartende Tantieme in Höhe von 50 Prozent.

Wegen der vorzeitigen Auszahlung hat die X-GmbH einen Liquiditätsnachteil. Denn eigentlich ist die Tantieme erst Ende Mai 2020 zur Auszahlung fällig.

Vorzeitige Tantiemezahlungen (in Form von Abschlagszahlungen) entsprechen dem Verhalten eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters (sogenannter Fremdvergleich) nur dann, wenn sie vorher im Geschäftsführer-Anstellungsvertrag vereinbart worden sind. Die Abrede sollte nicht nur für beherrschende, sondern auch für Minderheitsgesellschafter im Voraus getroffen und durch einen Gesellschafterbeschluss abgesegnet werden. Nicht vereinbarte vorzeitige Tantiemezahlungen halten dagegen dem Fremdvergleich nicht stand und könnten in einer Betriebsprüfung als vGA eingestuft werden. Da bei einer Abschlagszahlung liquide Mittel der GmbH ohne Gegenleistung entzogen werden, liegt auch in dem Verzicht der Gesellschaft auf eine angemessene Verzinsung der Vorschusszahlung eine vGA.

Während für die Vereinbarung einer Tantieme mit einem beherrschenden Gesellschafter-Geschäftsführer das Rückwirkungsverbot gilt (vgl. Mandanten-Rundschreiben 6/2019, Nr. 1), kann die Vereinbarung einer Abschlagszahlung auch kurz vor deren erstmaliger Auszahlung erfolgen.

 

 

 

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