Heimbüro-Vermietung an die eigene GmbH (1)

Das BMF-Schreiben vom 18.4.2019

Die steuerliche Absetzbarkeit eines häuslichen Arbeitszimmers hat der Gesetzgeber erheblich eingeschränkt und für Arbeitnehmer praktisch ausgeschlossen. Andererseits nimmt die Zahl der Homeoffice-Arbeitsplätze zu, und insbesondere GmbH-Geschäftsführer sehen sich immer häufiger mit der Notwendigkeit konfrontiert, betriebliche Arbeiten oder Pflichten von zu Hause zu erledigen bzw. zu erfüllen. Dabei liegt der Wunsch nahe, die damit verbundenen Aufwendungen für ein Heimbüro auch steuerlich absetzen zu können, z.B. im Wege einer Vermietung an die eigene GmbH. Da dieses „Mietmodell“ in der Praxis immer mehr Anhänger findet, andererseits auf wenig „Gegenliebe“ bei den Finanzämtern stößt, sah sich die Finanzverwaltung veranlasst, in einem BMF-Schreiben vom 18.4.2019 eine klärende Stellungnahme abzugeben.

Der Gesetzgeber wollte mit der Begrenzung der steuerlichen Abzugsfähigkeit der Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b Einkommensteuergesetz (EStG) die frühere ausufernde Inanspruchnahme eines häuslichen Arbeitszimmers vor allem durch Arbeitnehmer einschränken. Dabei beschnitt er freilich zugleich den Werbungskostenabzug jener Steuerpflichtigen, deren steuerliche Leistungsfähigkeit durch den berufsbedingten Unterhalt eines Heimarbeitsraums tatsächlich gemindert war. Kein Wunder, dass davon betroffene Arbeitnehmer bemüht waren, einen neuen Weg zur steuerlichen Abzugsfähigkeit ihrer Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer zu suchen.

Sie fanden ihn in der Vermietung des Heimarbeitsraums an ihren Arbeitgeber gegen Entgelt. Damit machten sie das Arbeitszimmer zu einer neuen Einkunftsquelle und wichen den steuerlichen Beschränkungen für häusliche Arbeitszimmer aus. Die Arbeitgeber waren dem Vermietungsmodell vielfach nicht abgeneigt, konnten sie doch vom zusätzlichen häuslichen Arbeitseinsatz ihrer Arbeitnehmer in der Regel profitieren.

Rechtsprechung und Finanzverwaltung tolerierten das Mietmodell zunächst wohlwollend. Mit Urteil vom 16.9.2004 (Az. VI R 25/02) segnete der Bundesfinanzhof (BFH) die Vermietung eines häuslichen Arbeitszimmers an den Arbeitgeber ab, der im Anschluss daran diesen Raum seinem Arbeitnehmer zur beruflichen Nutzung zuwies. Damit erreichte der Arbeitnehmer (Vermieter), dass er alle auf diesen Raum anteilig entfallenden Aufwendungen seiner Wohnung (seines Hauses) als Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung steuerlich geltend machen konnte. Mit BMF-Schreiben vom 13.12.2005 (BStBl. 2006 I, S. 4) hat die Finanzverwaltung die BFH-Rechtsprechung bestätigt.

In dem Maße, in dem das Mietmodell weiterhin erfolgreich praktiziert werden konnte, kamen einzelne Steuerpflichtige erst richtig „auf den Geschmack“. Anstelle eines häuslichen Arbeitszimmers wurde eine komplette Einliegerwohnung an den Arbeitgeber als Homeoffice vermietet und in diesem Zusammenhang die vermieteten Räume umfassend saniert. So geschehen in einem Fall, den der BFH mit Urteil vom 17.4.2018 entschied. Hier hatte der Kläger (Vertriebsleiter) die Einliegerwohnung im Erdgeschoss seines Hauses an den Arbeitgeber für monatlich 464 Euro (einschließlich Umsatzsteuer) vermietet. Zur Wohnung gehörte ein Bad, das der Vermieter umfassend behindertengerecht renovierte, und zwar für 25.780 Euro. Zusammen mit weiteren anteiligen Kosten erklärte der Vermieter einen Verlust aus Vermietung und Verpachtung von 29.900 Euro, den er mit seinen positiven anderen Einkünften verrechnen wollte. Das Verfahren wurde zur erneuten Verhandlung an das Finanzgericht (FG) zurückverwiesen, damit dieses die Einkünfteerzielungsabsicht des Klägers (siehe dazu Nr. 3) prüfen soll. Sollte das FG die Einkünfteerzielungsabsicht verneinen, würde die Vermietung an den Arbeitgeber als steuerlich irrelevante Liebhaberei zu behandeln sein.

Es ist nachvollziehbar, dass die Finanzverwaltung im Anschluss an dieses BFH-Urteil die Hürden für die Anerkennung des Mietmodells im BMF-Schreiben vom 18.4.2019 nochmals höher gelegt hat.

Das Schreiben vom 18.4.2019 erläutert, wann die Vermietung eines Heimbüros zu Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit und wann zu Einkünften aus Vermietung und Verpachtung führt. Aus der Tatsache, dass immer häufiger in der Praxis nicht nur einzelne Arbeitszimmer vermietet werden, sondern ganze (Einlieger-)Wohnungen (siehe das vorstehende BFH-Urteil), zieht die Finanzverwaltung die Konsequenz: Das Schreiben behandelt nicht nur die Vermietung eines Arbeitszimmers, sondern auch die als Homeoffice genutzte Wohnung. Ob darunter nur die Einliegerwohnung im eigenen Einfamilienhaus oder auch eine außerhalb der Wohnungsphäre des Arbeitnehmers liegende eigene (oder angemietete) Wohnung fällt, wird die Rechtsprechung beurteilen müssen.

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