Gesellschafterdarlehen

Steuerliche Behandlung eines Darlehensverlustes

Hat eine GmbH Liquiditätsprobleme oder wegen anstehender Investitionen einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf, helfen häufig die Gesellschafter mit einem Darlehen aus. Kann die Gesellschaft dieses später nicht mehr zurückzahlen oder verzichten die Gesellschafter auf die Rückzahlung, um die Gesellschaft zu sanieren, stellt sich die Frage, wie die Gesellschafter den Darlehensverlust steuerlich verwerten können. Mit dieser Frage beschäftigte sich das FG Münster in seinem Urteil vom 12.3.2018.

Im Urteilssachverhalt hatte ein zu 30 Prozent beteiligter Geschäftsführer seiner GmbH von 2003 bis 2007 – ebenso wie andere Mitgesellschafter – ein Darlehen gewährt. Im September 2011 verzichteten alle Gesellschafter auf ihre Forderungen, um die inzwischen notleidende GmbH zu retten. Nachdem der Gesellschafter-Geschäftsführer Ende 2011 seine Beteiligung mit Verlust veräußert hatte, machte er in seiner Einkommensteuererklärung einen Verlust nach § 17 EStG geltend. Dieser setzte sich aus dem Verlust infolge des Anteilsverkaufs und dem Verlust infolge des Forderungsverzichts zusammen. Das Finanzamt erkannte davon nur den auf den Anteilsverkauf entfallenden Verlust an. Die Darlehen seien weder Finanzplandarlehen gewesen, noch seien sie im Krisenfall gewährt worden. Deswegen stellten sie keine nachträglichen Anschaffungskosten für die Beteiligung dar.

Das FG ist dem letztlich gefolgt, hat jedoch darüber hinaus die Berücksichtigung der Darlehensverluste bei den Einkünften des Gesellschafters aus Kapitalvermögen zugelassen.

Der Verlust infolge des Darlehensverzichts ist mangels Eigenkapitalersatz und damit mangels Veranlassung durch das Gesellschaftsverhältnis nicht als nachträgliche Anschaffungskosten im Sinne von § 17 EStG zu berücksichtigen. Es liegt jedoch ein Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7, Abs. 4 EStG vor.

Zu den Einkünften aus Kapitalvermögen gehören unter anderem Gewinne aus der Veräußerung von sonstigen Kapitalforderungen. Als Veräußerung gilt dabei auch die Einlösung, Rückzahlung, Abtretung und die verdeckte Einlage in eine Kapitalgesellschaft. Ein solcher Fall liegt hier zwar nicht vor, nach der Rechtsprechung des BFH ist jedoch auch ein Verlust infolge eines endgültigen Forderungsausfalls zu berücksichtigen. Da auch die Übertragung wertloser Wirtschaftsgüter zu einem Veräußerungsverlust führt, ist es geboten, den Ausfall einer Rückzahlung gleichzustellen. Denn es macht wirtschaftlich keinen Unterschied, ob eine Forderung kurz vor dem Ausfall veräußert oder weiterhin gehalten wird. Dies gilt ungeachtet dessen, dass der BFH die Gleichstellung von Forderungsausfall und -veräußerung bislang offengelassen hat. Wenn mit der Einführung der Abgeltungsteuer die Erfassung aller Wertveränderungen bei Kapitalanlagen beabsichtigt war, muss auch der durch einen Verzicht auf eine Forderung ausgelöste Verlust berücksichtigt werden, da damit eine Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einhergeht.

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