Häusliches Arbeitszimmer

Muss es erforderlich sein?

Nutzt ein GmbH-Geschäftsführer ein häusliches Arbeitszimmer, so wird er vom Finanzamt mitunter mit dem Argument konfrontiert, dass ein solches Arbeitszimmer ja gar nicht nötig sei, weil er die Arbeiten genauso gut im Betrieb erledigen könne. Hier hat der BFH mit einem Urteil vom 8.3.2017 Argumentationshilfen aufgezeigt, die die Abzugsfähigkeit ermöglichen.

Beispiel:

L erzielte im Streitjahr Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit, aus Kapitalvermögen und aus Vermietung und Verpachtung. Er vermietete drei Wohnungen, von denen eine durch eine Hausverwaltung betreut wird. Er nutzte ein 29 qm großes Arbeitszimmer im Erdgeschoss seines Hauses, das büromäßig mit Schreibtisch, Regalen, Telefon, Fax und Kopierer ausgestattet ist und insbesondere der Aufbewahrung sämtlicher Bank-, Versicherungs-, Vermietungs- und Steuerunterlagen dient. Bei seinen Einkünften aus Vermietung und Verpachtung machte er 3.489 Euro als Aufwendungen für das häusliche Arbeitszimmer geltend.

Das Finanzamt erkannte diese Aufwendungen nicht an. Begründung: Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer können nur berücksichtigt werden, wenn ein solches für die Tätigkeit erforderlich ist. Dies folge zwar nicht unmittelbar aus dem Gesetzeswortlaut, jedoch ergebe sich das aus dem Sinnzusammenhang der Regelung zur Abzugsfähigkeit eines Arbeitszimmers. Da L nur drei Wohnungen vermiete, sei ein Arbeitszimmer nicht erforderlich.

Einspruch gegen den Bescheid und Klage des L vor dem FG waren erfolglos.

Der BFH hat die Auffassung von Finanzamt und Finanzgericht korrigiert. Die Erforderlichkeit ist kein Merkmal des Abzugstatbestands. Vielmehr typisiert der Gesetzgeber mit den beiden genannten Fallgruppen (kein anderer Arbeitsplatz oder Mittelpunkt der gesamten betrieblichen/beruflichen Tätigkeit), ohne den Begriff der Erforderlichkeit zu einem Tatbestandsmerkmal zu machen. Ein zusätzliches ungeschriebenes Tatbestandsmerkmal der Erforderlichkeit für die beiden Fälle, in denen die Aufwendungen überhaupt nur abzugsfähig sind, folgt daher weder aus dem Gesetzeswortlaut noch aus der Gesetzesbegründung.

Fazit: Das Finanzamt hat künftig mit dem Argument, das Arbeitszimmer sei doch gar nicht notwendig, schlechte Karten, wenn tatsächlich ein Arbeitszimmer ausschließlich in Zusammenhang mit steuerlich relevanten Einkünften genutzt wird.

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